Klimadiskurs-NRW

Kategorie: Allgemein


Aktiv im Kampf gegen den Klimawandel


24.08.21 | von


Das gesamte Produktportfolio der DKB soll in Einklang gebracht werden mit dem Pariser Klimaschutzabkommen. Damit das gelingt, müssen Nachhaltigkeitsdaten verfügbar sein – bislang ist das noch nicht ausreichend der Fall. Freiwillige Zusammenschlüsse und Partnerschaften schaffen Abhilfe, es braucht aber auch einen entsprechenden politischen Rahmen.

Ein Beitrag von Markus Landgraf

Mit dem Ziel vor Augen, Europa zum ersten klimaneutralen Kontinent zu machen, hat die EU-Kommission im April dieses Jahres die EU-Taxonomie-Verordnung konkretisiert und Kriterien veröffentlicht, anhand derer bestimmt werden soll, welche Tätigkeiten konkret zur Erreichung der EU-Klimaziele beitragen – Finanzströme sollen gezielt in nachhaltige Projekte fließen, dem Thema „Greenwashing“ ein Riegel vorgeschoben werden.

Wir sprechen als DKB in diesem Zusammenhang gerne von einem Regulierungs-Tsunami, der auf die Branche zurollt. Denn die geplante Erweiterung der Taxonomie um zusätzliche soziale und Governance-Kriterien, deren Einhaltung durch die Kunden wir als Finanzierer bewerten müssen, wird den Umgang der Finanzbranche mit Nachhaltigkeitsrisiken noch stärker beschäftigen.

Wir müssen das Thema aus der Nische Holen

Klar ist: Wir erreichen unsere ambitionierten Ziele als Staat, Wirtschaft oder Gesellschaft nur, wenn möglichst alle Menschen mitmachen, nicht nur ein elitärer Zirkel in Metropolen. Außerdem mitwirken müssen alle Teile der Realwirtschaft, vor allem aber die Bereiche mit hohem Transformationsbedarf – und am Ende auch alle Banken und Finanzmarktakteure, nicht nur eine kleine Avantgarde.

Banken und Finanzmarktakteure müssen sich ihrer Rolle bewusst werden. Sie lenken Finanzströme und verfügen damit über einen entscheidenden Hebel, für das Gelingen der nachhaltigen Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft. Keine Bank ist gezwungen, morgen ein Kohlekraftwerk in Europa oder übermorgen einen Staudamm im Amazonas zu finanzieren. Solche Entscheidungen liegen in unserer Hand. Als Kriterium für  nachhaltiges Handeln gilt dabei, ob unsere Finanzierungen mit den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen oder dem Pariser Klimaschutzabkommen vereinbar sind.

PCAF macht die Treibhausgasemissionen der Kredite sichtbar

Klimaschutz bedeutet die Reduktion von Treibhausgasemissionen. Doch gerade im Finanzsektor fehlt es noch an belastbaren Zahlen. Die Deutsche Kreditbank AG (DKB) ist daher seit Juni 2021 Mitglied bei der Partnership for Carbon Accounting Financials (PCAF). Die PCAF ist eine global tätige Brancheninitiative zur Standardisierung der Messung und Offenlegung von Treibhausgasemissionen für den Finanzsektor.

Für die Berechnung der CO2-Emissionen, die ein Finanzunternehmen durch den Bürobetrieb (Strom, Heizung, Dienstreisen etc.) verursacht, gibt es schon lange einheitliche Leitplanken – doch die Berechnung der Treibhausgase, die mit der Kreditvergabe verknüpft sind, ist wesentlich komplexer. PCAF bietet eine standardisierte Methodik, mit der die DKB zukünftig die Emissionen im Produkt- und Kreditportfolio berechnen wird. Die Berechnung der Treibhausgasemissionen ist ein essenzieller Schritt, um das Produktportfolio unter Risiko- und Nachhaltigkeitsaspekten zu steuern und schrittweise zu dekarbonisieren. Das erleichtert es uns, nachhaltig zu handeln und das Klima zu schützen. Mit der Mitgliedschaft bei PCAF verpflichtet sich die DKB, innerhalb der nächsten drei Jahre alle finanzierten Emissionen zu messen und zu veröffentlichen. Wir sind damit nicht allein: Mit mehr als 120 Banken und Investoren aus fünf Kontinenten wächst PCAF kontinuierlich in Nordamerika, Lateinamerika, Europa, Afrika und im asiatisch-pazifischen Raum.

Produktportfolio im Einklang mit dem Pariser Klimaabkommen

Die DKB will mit ihren Finanzierungen die nachhaltige Transformation der Wirtschaft aktiv mitgestalten. Unter den Top 20-Banken Deutschlands ist sie die nachhaltigste Bank. In ihrer Kreditvergabe konzentriert sich die DKB auf ausgewählte Zukunftsbranchen: Erneuerbare Energien, Gesundheit und Bildung, Wohnen, Kommunen und Infrastruktur, Landwirtschaft sowie Tourismus in Deutschland. Aktuell tragen 77 Prozent der vergebenen Kredite (in Summe 58,8 Mrd. Euro) signifikant zu den globalen Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen (SDGs) bei. Diesen Anteil will die DKB bis 2030 auf 85 Prozent steigern (auf in der Summe 80 Mrd. Euro). Bis 2050 soll das komplette Produktportfolio im Sinne des Pariser Klimaschutzabkommens klimaneutral werden.

Zugang zu Nachhaltigkeitsdaten ist entscheidend

Das wesentliche Messinstrument für die nachhaltige Transformation unserer Wirtschaft sind Nachhaltigkeitsdaten. Eine solide Datengrundlage ist für den langfristigen Erfolg entscheidend. Die benötigten Daten für die Berechnung und Steuerung der Emissionen in der Kreditvergabe stehen derzeit allerdings oftmals nicht zur Verfügung. Ein Beispiel dafür ist der Gebäudeenergieausweis in der Wohnungswirtschaft: Anders als in anderen Ländern gibt es in Deutschland bislang kein bundeseinheitliches Kataster für Gebäudeenergieausweise. Das wäre aber notwendig, um die Emissionen bei Wohnimmobilien nachhaltig zu optimieren – nicht nur für Projekt- und Gebäudeentwickler, sondern auch für die geldgebenden Finanzinstitute.

Kölscher Klimaschutz


22.06.21 | von


Recycling ist wichtig, Müllvermeidung gelebter Klimaschutz. Zwar wissen viele Menschen das schon, aber auf der Handlungsebene kommt dieses Wissen häufig noch nicht an. Darum unterstützen die Abfallwirtschaftsbetriebe Köln die Bewohner*innen mit Informationen, Schulungen und Infrastruktur.

Ein Beitrag von Dr. Ulrike Diederichs

„Am Ende der Kette oder mittendrin?“ Natürlich ist die Müllabfuhr zuständig für die Abholung und Verwertung des Abfalls, der bei Bürger*innen, Unternehmen und städtischen Einrichtungen anfällt. Dabei wird oft erst auf den zweiten Blick deutlich, welchen großen Beitrag kommunale Entsorger wie die Abfallwirtschaftsbetriebe Köln (AWB) zu Ressourcen- und Klimaschutz leisten. Dies reicht von Umwelterziehung bis zur Beteiligung an wissenschaftlichen Studien – Aufgabenfelder, die mit den täglichen Aufgaben der Kollegen in Orange in direktem Bezug stehen.  

Informationsangebote für rund 200.000 Kinder und Jugendliche

So haben wir beispielsweise in den letzten dreizehn Jahren rund 200.000 Kinder vom Kindergartenalter bis zu Jugendlichen durch pädagogische Angebote in Schulen und Kitas und Betriebshofführungen der AWB die Themen rund um Abfallvermeidung und Wertstofftrennung nahe gebracht. Zum Teil sind diese Menschen heute in bürgerschaftlichen Initiativen für ein sauberes Köln aktiv. Während Unternehmen genau kalkulieren, dass sich Wertstofftrennung durch das Kölner Gebührenmodell lohnt und AWB und Stadt Köln hier seit der Einführung in 2014 somit die richtigen Anreize setzen, erreichen solche rationalen Argumente die Bürger*innen häufig nicht. Umso wichtiger ist es, die Menschen davon zu überzeugen, dass Ressourcenschonen im Sinne von Abfallvermeidung, Wertstoff-Recycling und Wiederverwendung wichtig ist.

Die AWB bietet die Infrastruktur, um die Bürger*innen bei Nachhaltigkeitsthemen zu unterstützen: Schon seit vielen Jahren gibt es eine kostenlose Online-Tauschbörse für gutes Gebrauchtes und die AWB engagiert sich gemeinsam mit der Stadt Köln, Verbänden und Unternehmen für ein Mehrwegbechersystem in Köln. Und allein die Informationen zur Abfallvermeidung, die die AWB im Web anbietet, werden 1,7 Million mal im Jahr genutzt. Die AWB sorgt für Ausrüstung sowie Entsorgung für die Kölner Initiativen, die ehrenamtlich Abfälle in den Rheinwiesen und Parks sammeln. Wir erleben ein Miteinander des städtischen Unternehmens und bürgerschaftlichen Engagements. Auf Basis all dieser Projekte unterstützt die AWB gemeinsam mit der Verwaltung den Weg der Stadt Köln in Richtung „Zero Waste“, der vom Rat im Jahr 2021 beschlossen wurde.

Innovationstreiber Müllabfuhr – Wertstoffen einen Preis geben

Aber es geht noch weiter als das lokale Engagement. Was hat die Müllabfuhr oder die Stadtreinigung mit wissenschaftlichen Studien oder Innovation zu tun? Im Jahr 2019 und 2020 haben wir gemeinsam mit dem INFA Institut und dem Verband Kommunaler Unternehmen untersucht, wieviel Einwegkunststoffverpackungen auf Straßen und in Grünflächen landen. Bisher sind die Hersteller nicht zu einem finanziellen Beitrag verpflichtet, der zur Vermeidung führen würde oder der Sammlung oder Recycling finanziert. Bei allein 1.400 t pro Jahr in Köln oder umgerechnet 17€ pro Einwohner für Sammlung inkl. Entsorgung bzw. Verwertung pro Jahr sind das signifikante Beträge in einer Millionenstadt wie Köln. Solche Ergebnisse sind Grundlage, um die Unternehmen, die diese Verpackungen, wie Kunststoffteller und -besteck oder Zigarettenfilter auf den Markt bringen, mit in die Verantwortung zu nehmen. Weitere Innovationsprojekte der AWB, wie alternative Antriebe und Routenoptimierung zur Einsparung von CO2 und Reduzierung des Verkehrsaufkommens, sind ebenfalls Beiträge zur Nachhaltigkeit.

Wir containern – und erzeugen den frischesten Salat in NRW


28.04.21 | von


Mit 150 Litern Wasser können wir ein erholsames Bad nehmen, 180 Kannen Tee zubereiten – oder 1.500 Kilogramm Salat herstellen. Auf zwölf Quadratmetern, ohne Pestizide, ohne Erde. Im Klimaquartier Arrenberg steht einer von zwei Prototypen, in denen das funktioniert. Die Ernte kann ungewaschen sofort gegessen werden. Frischer geht es nicht.

Ein Beitrag von Pascal Biesenbach

© Gunnar Bäldle

Das Klimaquartier Arrenberg entwickelt und realisiert seit 2015 verschiedene Projekte und Strategien zur klimaneutralen Stadtentwicklung in den Bereichen Ernährung, Mobilität und Energie. Die Ansätze reichen dabei von wiederkehrenden Aktionen wie dem Restaurant Day, bei dem im ganzen Viertel für einen Tag lang Pop-up-Restaurants entstehen bis zu dauerhaften Prozessen wie Foodsharing und solidarischer Landwirtschaft. Darüber hinaus wird am Arrenberg anwendungsbezogen geforscht: zu CO2-armem Stromverbrauch, kreislaufbasierter Produktion, intelligenter Nahwärme oder virtuellen Kraftwerken, also der Zusammenschaltung von dezentralen Stromerzeugungseinheiten wie etwa privaten Solaranlagen.

Zusammen mit einem schwedischen Tech-Start-Up befinden wir uns gerade in der Testphase eines Prototypen zum vertikalen Gemüseanbau unter konstanten Anbaubedingungen. Hierfür wurde ein Schiffscontainer in ein hochfunktionales Produktionsmodul umgebaut. Im Innenraum können alle Parameter von Lichtzusammensetzung und Beleuchtungsintervall, über Temperatur, Luftfeuchtigkeit oder CO2-Konzentration bis hin zur Wasser- und Nährstoffzufuhr konstant geregelt und im gewünschten Rahmen gehalten werden. Der Container bildet auf diesem Wege eine eigene Klimazone, in der 24h optimale Wachstumsbedingungen herrschen.

Kleiner CO2-Fußabdruck und das Lösen großer Probleme

Betrieben wird der Container mit einem hohen Anteil an vor Ort produziertem Solarstrom. Das gegenwärtig in Erprobung befindliche System hat einen Verbrauch von 150 kWh/t, umgerechnet entspricht das 0,064 kWh pro Salatkopf. Die im Hintergrund in Entwicklung befindlichen Nachfolgemodule werden kontinuierlich weniger verbrauchen. Dennoch müssen wir uns die grundsätzliche Frage stellen: Ist es sinnvoll, Sonnenenergie in elektrische Energie zu wandeln, um sie im nächsten Schritt wieder in Licht zu wandeln? Wir denken, diese Frage ist von vielen Parametern bzw. der jeweiligen Prioritätensetzung abhängig. Vor dem Hintergrund der fortschreitenden Energiewende und Elektrifizierung der Gesellschaft wird hier eine Technologie zur Marktreife entwickelt, die folgender Abwägung folgt:

Wenn Wasser, Dünger und Fläche zunehmend knappe Ressourcen werden und Lieferketten überproportional lang und komplex sind, während gleichzeitig der Anteil Regenerativer Energien steigt, dann können solche Produktionsverfahren genau diese Probleme adressieren. Ressourcen werden effizient und lokal genutzt, Lieferketten vereinfacht und ein unmittelbarer Bezug zwischen Produkten und Konsumenten ermöglicht. Auch Harvest on Demand Modelle sind auf diesem Wege umsetzbar und bieten Retailern vor Ort neue Angebotsmöglichkeiten. Ganz davon zu schweigen, dass wir weltweit zunehmende Herausforderung in Bereichen Schädlingsbekämpfung (und dadurch sinkender Biodiversität), Bodendegradation oder Überdüngung erleben. Durch geschlossene, erdlose Systeme haben wir einen Ansatz, wie wir diese Probleme lösen. In unserer Abwägung kommen wir daher zu dem Schluss: Machen. Und schmecken lassen.

© Aufbruch am Arrenberg

Lokal, effizient, gesund

Jeder Liter Wasser, der in das System eingespeist wird, verlässt dieses als essbares Gemüse. Mit einem monatlichen Ertrag von ca. 3.600 Köpfen, bzw. 1,5 Tonnen Salat auf gerade einmal zwölf Quadratmetern ist das System zudem hochgradig Flächensuffizient und damit hervorragend für innerstädtische Anwendungen geeignet. Durch den Ansatz, den Ort der Produktion so nah wie möglich an den Ort des Konsums zu bringen, ergeben sich enorme Potenziale für die Verkürzung von Lieferketten und die Entlastung „der letzten Meile“.

Das Verfahren bringt noch einen weiteren immensen Vorteil: die Frische der Erzeugnisse. Der Salat wird mitsamt einem Teil des Wurzelwerks geerntet. Dadurch können Verbrauchende ihn Zuhause in Wasser noch über Tage frisch halten. Und weil keinerlei Schädlingsbekämpfungsmittel zum Einsatz kommen und der Salat unter streng überwachten Bedingungen aufwächst, muss er nicht einmal gewaschen werden. Das bietet Vorteile auch aus Ernährungsphysiologischer Sicht.

Große Zustimmung im Quartier, bald geht der Salat in den Einzelhandel

Seit Anfang Januar befindet sich der Prototyp im Klimaquartier. Die bisherigen Erträge geben wir im Rahmen des vereinseigenen Foodsharings im Quartier aus, um Feedback zu bekommen. Die Rückmeldungen sind überwältigend positiv. Die Arrenberger:innen freuen sich über ihr erstes „eigene“ Lebensmittelreihe an verschiedenen Salatsorten und sind von Geschmack und Frische begeistert. Ab Mai werden wir erste Versuche mit dem Verkauf der Erzeugnisse im lokalen Einzelhandel machen und eine breit angelegte Verbraucherakzeptanz erheben. Gastronomie und Cateringbetriebe werden folgen.

Solche Lösungen wachsen eingebettet in ein eigenes Innovations-Ökosystem

Der Container bettet sich in das Forschungsprojekt „Urbane Produktion“ ein, in dem insgesamt 17 Organisationen nachhaltige Produktionsverfahren entwickeln und erproben. Am Arrenberg liegt der Schwerpunkt in diesem Projekt auf der Entwicklung einer Blaupause für kreislaufbasierte urbane Nahrungsproduktion: „Close the Loop“. Unser Ziel ist das Schließen von Kreisläufen in einer neuen Generation Urban Farming. Dies beinhaltet Aquakulturen, Pilzproduktion und die für unsere mitteleuropäische Esskultur noch ungewohnten Insekten als Teil der Nahrung. In der Gesamtkomposition ergeben sich vielversprechende Wechselwirkungen in der Produktion und ein sehr breites Angebot an New Urban Food für die Konsumierenden. Informationen zu diesem und anderen Projekten des Klimaquartiers unter www.arrenberg.de

Pascal Biesenbach ist Vorstandsmitglied des Klimaquartier Arrenberg, einem Projekt des Vereins Aufbruch am Arrenberg e. V. in Wuppertal.

Innovationen ‚bottom-up‘: Die Grundlage für die Energiewende war und bleibt divers


25.02.21 | von


Ein Abschied und ein ‚Weiter so!‘ von Dr. Sophia Schönborn

Wer hätte im Jahr 2000 zur Einführung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes durch die Rot-Grüne Bundesregierung gedacht, dass im Jahr 2019 die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien die der Braun- und Steinkohlekraftwerke deutlich übersteigen würde? Dass wir heute an einer Verkehrs- und Wärmewende arbeiten und dass sich Industrie, Umweltverbände, Gewerkschaften, Wissenschaft, Kirchen und Wirtschaft in einem Verein wie KlimaDiskurs.NRW langfristig zusammentun? Damals galten die Klimaschützer als ‚Ökospinner‘, verschrobene Tüftler und Langzeit-Engagierte aus der vergangenen Umwelt- und Anti-Atomkraftbewegung. In meiner Forschung und zahlreichen Interviewreisen habe ich mit besorgten Eltern und Großeltern, Pfarrern, mit engagierten RenterInnen, Bürgermeistern, UnternehmerInnen, WissenschaftlerInnen oder Bäuerinnen gesprochen. Es zeigt sich, dass wir es damals schon mit einem diversen Akteursspektrum zu tun hatten, das auf unterschiedlichen Wegen innovativ eine konkrete Antwort auf die Herausforderungen der Energiewende gegeben hat. Zum Abschied von KlimaDiskurs.NRW will ich mit dem kurzen Schlaglicht auf meine Dissertation zeigen, dass auch der Blick zurück lohnt: Auf dem vermeintlich steinigen Weg zu den kommenden Klimazielen haben wir als Gesellschaft bereits ein großes Stück geschafft. Sieht man zudem auf die harten Konfliktlinien, die von den 70er bis in die 90er Jahre hineinreichten, haben wir als Gesellschaft schon einen guten Grundstein für die kommende gemeinsame Bewältigung dieser Transformation gelegt.

Die Entwicklung hin zu einer dekarbonisierten Ökonomie kann nicht allein als „technische Konversion“ begriffen werden, da mit dem technischen ein tiefgreifender kultureller Wandel einhergeht (Leggewie 2013: 327). Für diesen, nicht zuletzt durch die internationalen Klimakonferenzen bestätigten und weiterhin angestrebten Epochenwandel sollten Potentiale innerhalb der Gesellschaft ausgemacht werden. Dafür sollten die viel beschworenen Innovationsprozesse nicht nur im wirtschaftlich-technischen, sondern auch im sozialen und kulturellen Bereich erkannt und genutzt werden. Diese Herangehensweise, Innovationen nicht nur Industrie und Wirtschaft zuzuschreiben, ist nicht nur ein wissenschaftlicher (vgl. WBGU 2011), sondern auch ein politischer Konsens (vgl. die SDGs) – der leider in der öffentlichen (Klima-)Debatte immer noch zu kurz kommt.

In meiner sozialwissenschaftlichen Arbeit habe ich über mehrere Jahre genau solche Innovationen qualitativ untersucht, also vor Ort, in Gesprächen, Besuchen, Teilnahmen und vor allem in Interviews mit den Akteuren, mit den NetzwerkpartnerInnen und ggf. GegnerInnen geführt. Diese Innovationen sind nicht zu verstehen als technische Inventionen, die etwa ökonomischen Zwecken dienen, sondern sie umfassen soziale, technische, kulturelle und ökologische Aspekte. BürgerInnen kamen zusammen im Freundeskreis, in der Kirchengemeinde oder als Gruppe besorgter Eltern und erarbeiteten gemeinsame Initiativen, GmbHs, Vereine oder AGs. Diese können auch als bottom-up-Innovationen bezeichnet werden, denn sie haben ihren Ursprung meist außerhalb des beruflichen Umfeldes und sind immer ein Gemeinschaftswerk mit einem übergeordneten Ziel – hier das des Klimaschutzes.

In meinen untersuchten Fallbeispielen zeigt sich ebenfalls die Vielfalt, die ich oben bereits angesprochen habe: Aus der Elterninitiative gegen Atomkraft Ende der 1980er entwickelten BürgerInnen aus den unterschiedlichsten Bereichen im kleinen Schwarzwald-Städtchen (Heimat von Jogi Löw) Schönau ein heute Deutschlandweit etabliertes Ökostromunternehmen, nämlich die Elektrizitätswerke Schönau (EWS). Diese kann man als bundesweite Pioniere bezeichnen und ihre spannende Geschichte zeigt, dass Innovationen immer Konflikte überwinden müssen: Es mussten zwei – nie dagewesene – Bürgerentscheide genommen werden, das Energieunternehmen setzte den Schätzwert des kommunalen Stromnetzes horrend hoch ein und letztlich befand sich das ganze ‚Dorf‘ in einem emotional hoch umkämpften Konflikt („Bald geht der Strom aus!“). Heute ist der Strommarkt liberalisiert (damals kaum denkbar) und viele Kommunen haben ihr Stromnetz wieder zurückgekauft.

Emotionale und politische Konflikte mussten eigentlich alle der Engagierten eingehen, so auch die Unternehmer und Selbständigen, die sich im Freundeskreis intellektuell um eine andere Zukunft Gedanken machten und letztlich mit dem Ziel, die Bodenseeregion ‚100% erneuerbar‘ zu machen, eine neue Form des Stadtwerks erdachten: Das „bürgereigene“ Unternehmen Solarcomplex. Hier wuchs in nur wenigen Jahren ein Unternehmen, das alte Wasserkraftanlagen wieder nutzbar machte, Baden-Württembergs erstes Bioenergiedorf umsetzte und gleichzeitig im engen Diskurs und Austausch mit Wissenschaft, BürgerInnen und Lokalpolitik blieb. Auch dieser Prozess verlief nicht ohne Konflikte – meist mit schon seit vielen Jahren fest eingespielten Strukturen in der Region. In einem anderen Fallbeispiel legten sich die Aktiven sogar öffentlich mit dem Bistum und dem Bischof an (Schmidt in der Eifel): Sie wollten mit eigenen Erneuerbare-Energien-Projekten auf und um die Kirchengebäude herum als Kirchengemeinde eigene Freiheiten erhalten. Hier wurde etwa eine große PV-Anlage auf´s Kirchendach gesetzt und im Bistum erfuhr man in der Presse davon.

Dies ist natürlich nur ein kleines Schlaglicht auf die von mir intensiv begleiteten und untersuchten Fallbeispiele, die im ländlichen und im städtischen Raum von engagierten Leuten hervorgebracht und etabliert wurden. Hinzu kamen noch vor allem ehrenamtlich etablierte Innovationen: Eine Frauengarteninitiative kämpfte mit der Stadt und Bodenaltlasten des Ruhrgebiets, aus einer Kirchengemeinde heraus wurde das Dorf dank einer nun etablierten Erneuerbaren-Energien-Initiative wiederbelebt und eine Lehrerin verbindet mitten in Bottrop Naturbildung mit der Innovation City-Initiative. Sie alle haben gemeinsam, dass die Beteiligten viele Entbehrungen auf sich nehmen, Konflikte eingehen und überwinden, neue Netzwerke knüpfen und einen hohen Einsatz für ‚ihre‘ Sache bringen – die Etablierung der Innovationen war für alle ein steiniger Weg. „The road to realising social innovations is a rocky one, and many are left behind.“ (Brandsen et al. 2016: 310)

Es geht letztlich um die „Keimzellen der Großen Transformation“ (Schneidewind 2018: 460; WBGU 2011), die abseits von einem klassischen Fortschritts- und Technikgedanken entstehen und unabdingbar sind für eine Energiewende und die Transformation in den anderen klimarelevanten Sektoren. Die politischen EntscheiderInnen auf allen Ebenen sind angehalten, diese Innovationen als wichtige Partner ernst zu nehmen und offene Strukturen zu schaffen, die solche Initiativen und die benötigte Vielfalt einbinden und bestenfalls unterstützen. Das heißt auch eine Abkehr von einer allzu oft paternalistisch geprägten ‚Akzeptanzbeschaffung‘: In den Kommunen oder der Region haben solche Initiativen schließlich auch das Potential, nicht nur einen Mehrwert zum Klimaschutz beizutragen, sondern auch Engagement und Sozialkapital einzubringen. Trotz der oftmals auszufechtenden Konflikte geht es hier letztlich auch um eine Stärkung gesellschaftlicher Strukturen, die es braucht, um dem zunehmenden Populismus und Rechtsextremismus etwas entgegenzusetzen.

Vielfalt im Engagement und im Diskurs  benötigen wir auch auf anderen Ebenen: Daher braucht es auch nachhaltig solche Zusammenschlüsse, für die KlimaDiskurs.NRW ein sehr gutes und funktionierendes Beispiel ist. Auch hier gehört der Konflikt dazu, macht es spannend und sollte (gerne noch mehr) zum gemeinsamen Weiterdenken und Handeln anregen!

Literatur:

Brandsen, T./ Cattacin, S./ Evers, A./ Zimmer, A. (Hg.) (2016). Social Innovations in the Urban Context, Springer Open.

Leggewie, C. (2013). Prometheus in der Wüste. Wie Energieerzeugung und Regimeformen zusammenhängen. In: Leggewie, C./ Renner, U./ Risthaus, P. (Hg.). Prometheische Kultur. Wo kommen unsere Energien her?, München: Wilhelm Fink, S. 319-340.

Schneidewind, U. (2018). Die große Transformation: Eine Einführung in die Kunst gesellschaftlichen Wandels, Frankfurt am Main: S. Fischer.

Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung für Globale Umweltveränderungen (WBGU) (2011). Welt im Wandel. Gesellschaftsvertrag für eine Große Transformation, Hauptgutachten, Berlin.

Dieser Beitrag beruht auf der kumulativen Dissertationsschrift an der Justus-Liebig-Universität Gießen, die am 13.11.2020 erfolgreich im Fachbereich 03 Sozial- und Kulturwissenschaften verteidigt wurde.

„Strukturwandel braucht langen Atem“: Partizipation im Rheinischen Revier


30.11.20 | von


Der Kohleausstieg ist politisch beschlossen (BMWi 2020). Der Bund begleitet und fördert den Strukturwandel in den deutschen Braunkohlerevieren mit rund 40 Milliarden Euro bis zum Jahr 2038 (Bundesregierung 2020). Im Rheinischen Revier hat die Förderung besonders wichtiger Vorhaben unter großem Zeitdruck bereits begonnen. Die Ziele: nachhaltige Infrastrukturen aufbauen, Arbeitsplätze schaffen, die Wirtschaftsstruktur diversifizieren und Klima-, Natur- und Umweltschutz betreiben, um die  Klimaziele zu erreichen und die Region zukunftsfähig zu machen. Dieser Zeitdruck hat negative Folgen für die Beteiligung und die Qualität der Förderung!

Ein Beitrag von Jan-Hendrik Kamlage, Julia-Lena Reinermann, Ute Goerke, Sonja Knobbe & Nicole de Vries

 

FZJ Sascha Kreklau/KWI

Kohle – Geld – Wandel

Auf das Rheinische Revier entfallen rund 15 Milliarden Euro. Eine einmalige Chance nicht nur für die Region, sondern auch für NRW und die europäischen Nachbarregionen, eine zukunftsfähige Gesellschaft und Wirtschaftsweise aufzubauen. Die Reichweite und Tiefe des nun möglichen Wandels sind enorm. In den nächsten Jahren wird es hier zum Beispiel möglich, zukunftsweisende Mobilitätsformen zu erproben, neue Formen der Energieproduktion zu entwickeln, eine Modellregion Bioökonomie aufzubauen und damit einhergehend neue Bedeutungen, Vorstellungen und Bilder in der Gesellschaft zu schaffen – auch von Lebensqualität, Wachstum und Wohlstand. Kurz: Das Leben und Arbeiten sowie der Umgang mit der Natur stehen zur Debatte.

Doch die Chance, eine nachhaltige und damit zukunftsfähige Gesellschaft zu gestalten, bedeutet auch bewährte Pfade zu verlassen. Mut für ungewohnte Lösungen und neue Perspektiven zu entwickeln, braucht neben Zeit auch die Inklusion vieler Perspektiven und Interessen. Allerdings schaffen die Akteure im Land und im Rheinischen Revier seit dem Jahr 2019 Fakten unter großem Zeitdruck! Die Förderung hat begonnen, ohne dass ambitionierte und reflexive Governance-Strukturen aufgebaut wurden und eine fundierte Programmentwicklung stattgefunden hat. Beides braucht es aber, um die Förderung bis zum Jahr 2038 erfolgreich zu gestalten und umzusetzen. Wir argumentieren in diesem Beitrag, dass dieser Zeitdruck zu Lasten der Transparenz, der inklusiven Beteiligung und der Begründetheit und letztlich der Qualität der Förderung geht. Mehr noch: Es besteht die Gefahr, dass man nun Entwicklungspfade einschlägt, die später nicht mehr rückgängig gemacht werden können. Dieses Vorgehen wiederum führt zu Unzufriedenheit und Akzeptanzproblemen in der Region, wie schon jetzt zu sehen ist.  

Zukunft geht alle an: Wer gestaltet wie? 

Die politische Gestaltung einer Transformation dieser Größenordnung bedarf der demokratischen Teilhabe und Mitbestimmung in den Parlamenten, Stadträten und Parteien. Ergänzend hierzu sind informelle und konsultative Beteiligungsformate notwendig, um akzeptierte und von vielen mitgestaltete Ergebnisse zu erreichen. So sollten neben den organisierten Interessen aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft auch und gerade die Bürger*innen eingebunden werden. Die Logik dahinter ist einfach: Das Wissen der Vielen bringt im Idealfall a) gute und akzeptierte Entscheidungen und b) macht die Beteiligten zu Träger*innen und Gestalter*innen des Wandels. 

Um diesen Ansprüchen gerecht zu werden, bietet sich eine partizipative Governancestruktur an, wie sie in der Europäischen Regionalpolitik entwickelt und erprobt wurde (European Code of Conduct on Partnership 2014). Partizipativ betont dabei den Charakter von Instrumenten, die informieren und unmittelbare Beteiligung der Bevölkerung sowie organisierter Interessen ermöglichen. Die Herausforderung besteht darin, aus der Vielzahl die für die Beteiligten passenden Formate auszuwählen und sinnhaft miteinander zu verbinden.

Wie sieht die Realität aus?

Was wir bis jetzt im Rheinischen Revier erleben, wird diesen Ansprüchen allerdings noch nicht gerecht. Momentan sind die Bemühungen der Landesregierung getrieben von einem hohen Zeitdruck, der u. a. auf die Bundespolitik zurückzuführen ist (BMWI 2019). Ziel ist es, nach dem Kohlekompromiss die Mittel möglichst schnell in den Regionen zu verausgaben, um politische Handlungsfähigkeit zu zeigen und soziale Härten und ungewollte politische Folgen wie in der Lausitz zu vermeiden. Dort konnte die AfD bei den Kommunalwahlen des Jahres 2019 in dem von Kohleausstieg betroffenen Landesteilen starke Gewinne verbuchen (Haas 2020). Für die Jahre 2020 und 2021 wurden deshalb jeweils eine Milliarde Euro für Soforthilfen zur Verfügung gestellt für “besonders bedeutsame Investitionen” (ZRR 2019a, NRW 2019). Man handelt nach dem Motto: Klotzen nicht Kleckern.

Koordiniert werden die bereits geförderten Projekte des Sofortprogramms und die Auswahl weiterer Projekte im Rheinischen Revier von der Zukunftsagentur (ZRR) in Abstimmung mit der Landesregierung. Die ZRR ist die zentrale Instanz des Strukturwandels. Sie erarbeitet mit den Akteuren vor Ort den Handlungsrahmen, das Wirtschafts- und Strukturprogramm (WSP). In dieser sehr kurzen Zeit (Sep.-Dez. 2019) kamen neben den Kommunalvertretern und Forschungseinrichtungen vor allem organisierte, wirtschaftsnahe Interessen zu Wort. Vertreter*innen der organisierten Zivilgesellschaft und des Naturschutzes waren zwar vereinzelt vertreten, fühlten sich aber nicht hinreichend gehört. Sie kommunizieren offen ihr Misstrauen gegenüber dem Anspruch der ZRR, eine transparente, systematische Beteiligung durchzuführen (Grothus 2019). 

Seit April 2020 bis zum Ende des Jahres läuft nun zusätzlich der Beteiligungsprozess  “Unser Zukunftsrevier” organisiert von einem Beteiligungsdienstleister im Auftrag der ZRR, der primär die Bürger*innen adressiert. Der Plan war ambitioniert: Im Sommer und Herbst 2020 sollten durch Revierforen, Revier-Gespräche, Revier-Touren, Revier-Werkstätten sowie einen Online-Dialog die Bürger*innen beteiligt werden. Im Revier leben rund zwei Millionen Menschen, die ansprechbar sind. Zudem hat die Corona-Pandemie die Beteiligung der Menschen erheblich erschwert; viele der geplanten Formate mussten online stattfinden. 

Als Ergebnisse der Beteiligung soll ein Gutachten zum WSP entstehen und eine Beteiligungscharta mit Grundsätzen guter Bürger*innenbeteiligung für zukünftige Beteiligungsaktivitäten im Revier entwickelt werden (ZRR 2020).

Die Folgen für das Revier

Der politische Druck war groß. Es sollten “sichtbare Signale und eine Aufbruchstimmung in der Region” frühzeitig erzeugt  und mit der Förderung  begonnen werden (ZRR 2019). Das Motiv dafür ist nachvollziehbar. Man wollte den Menschen ihre Ängste um Arbeitsplätze und ihre Zukunft nehmen. Klar ist: Strukturwandel hat immer auch eine soziale Seite neben der investiven. So nahm man in Kauf, kein voll entwickeltes und umfassend begründetes Programm mit umfänglicher Ausgangsanalyse, daraus abgeleiteten Zielen, Maßnahmen und Indikatoren für Erfolg und Misserfolg sowie einen Plan zum Aufbau einer regionalen, partizipativen Governancestruktur zu entwerfen. Stattdessen ging man parallel zur Erstellung des WSP in die Förderung von Einzelvorhaben. Die Auswahl der Projekte des Sofortprogramms erscheint laut der Kritiker*innen auch deshalb wenig fokussiert und eher nach dem Gießkannenprinzip zu verlaufen (LNU, BUND & NABU 2020).

Einen Geburtsfehler, den es zu korrigieren gilt. Mehr Zeit hätte es erlaubt, auch über die wirtschaftsnahen Interessen hinaus zu beteiligen und die Zivilgesellschaft besser einzubinden. Darüber hinaus hätte man eine fundierte Förderstrategie und Programmatik entwickelt können. Ohne eine solche fängt man sich ohne Not den Verdacht der Willkür und Intransparenz ein, fördert Proporzdenken der lokalen Akteure und erschwert klare Priorisierungen der Förderung (Aachener Zeitung 2020). Hier gilt es aus unserer Sicht nachzubessern.

Die Bürgerschaft erst nach der Erstellung einer ersten Version des WSP zu konsultieren, ist durchaus übliche Praxis. Warum man allerdings auch für diese nur sehr wenig Zeit einplant hat, ist nicht nachvollziehbar und fördert wiederum die Unzufriedenheit.

Doch schauen wir nach vorne: Bis zum Jahr 2038 bleibt genug Zeit, die Förderung konzeptionell neu aufzustellen, eine von vielen getragene Vision zu entwickeln und mit langfristigen Perspektiven und Strukturen aufzubauen. Dafür wäre eine klare und markante Trennung zwischen kurzfristigem Sofortprogramm und langfristiger regionaler Förderung wichtig. So könnte man signalisieren, dass nun eine langfristige, fundierte und nachhaltige Förderidee im Fokus steht mit den zu entwickelnden Governancestrukturen.   

Dazu bedarf es aus unserer Sicht: 

·       die ZRR und ihre Leitungsgremien aus- und umzubauen, 

·       ständige Beteiligungsgremien und Strukturen schrittweise aufbauen, 

·       neue direkte Beteiligungsformate zu erproben und 

·       die Programmatik weiter zu fundieren sowie

·       Mechanismen der Evaluation zu integrieren (Herberg et al. 2020). 

Strukturwandel braucht einen langen Atem und Geduld, wie man aus dem Ruhrgebiet lernen kann. Soviel ist sicher!

Die AutorInnen forschen im Rahmen des Projektes BioökonomieREVIER, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert wird. Mehr Informationen zum Projekt finden Sie hier: Website

‚Diese jungen Leute‘


30.09.20 | von


„Irgendwas mit Medien“ – das war lange Zeit die Standardantwort junger Menschen auf die Frage, was sie später einmal beruflich machen wollen. Viele Beobachter belächelten die Vorstellungen und sahen darin die Genetik einer planlosen Generation, die magisch getrieben vom Glanz der neuen Medien, ihr Glück in einer modernen Zukunft suchten. Und tatsächlich, im Dickicht der diffusen Studien- und Ausbildungsmöglichkeiten blieben oft auch Träume auf der Strecke und versteckte sich manche Enttäuschung. Dennoch hat die hohe Anziehungskraft von Medien dazu geführt, dass unsere Gesellschaft im Laufe der Zeit digitaler, kommunikativer und informierter wurde – gerade in Corona-Zeiten konnten wir erfahren, wie wichtig diese skills sind. Transformation braucht eben immer auch Träumer und Pioniere.

Gleichzeitig haben wir in den letzten zwei Jahren in Sachen Klimaschutz eine extrem engagierte und fordernde junge Generation erlebt, die ihre Zukunft selbst in die Hand nimmt, für sie kämpft und ordentlich gesellschaftlichen Druck macht. Das ist kein Selbstzweck, sondern ein klares (An)gebot an unsere Gesellschaft, gemeinsam Verantwortung zu übernehmen. Dieses Engagement verdient es, von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft nach besten Kräften unterstützt zu werden. Engagement darf keine Einbahnstraße sein, das wäre gesamtgesellschaftlich gesehen zu kurz gesprungen. Wir sollten alles dafür tun, dass die, die sich jetzt für Klimaschutz und Nachhaltigkeit einsetzen, auch die Macher und Entscheider von Morgen in Wirtschaft, Industrie und in zivilgesellschaftlichen Organisationen werden, denn wir werden sie dringend als qualifizierte Fachkräfte für die vor uns liegenden Herausforderungen im Klimaschutz brauchen.

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Klimaheiler Homeoffice? Vielleicht.


31.08.20 | von


Corona wirkt wie eine Lupe. Einerseits im Sinne eines Vergrößerungsglases, das bestimmte Bereiche unseres Lebens in der Wahrnehmung anwachsen, ihre Bedeutung ansteigen oder den Raum in der öffentlichen Debatte anschwellen lässt, beispielsweise bei Fragen des ÖPNV, die auch in unserem Juli-Newsletter beleuchtet wurden. Andererseits im Sinne eines Brennglases, das viele Bereiche oder Vorgänge auf einen Punkt konzentriert, der dadurch hell erleuchtet wird, aber gleichzeitig droht zu überhitzen, wie zum Beispiel die Verlagerung des gesamten Lebens in die eigenen vier Wände.

Welche Folgen diese Effekte letztendlich haben oder ob wirklich Lehren daraus gezogen werden können, lässt sich heute noch nicht abschließend abschätzen. Zahlen müssen gesammelt und Studien durchgeführt werden. Nach einem halben Jahr mit Corona in Deutschland, lohnt sich dennoch ein genauerer Blick auf die entstandene Dynamik, nicht um alle Antworten zu finden, sondern um die richtigen Fragen zu stellen. Dabei soll es heute um den Bereich gehen, der seit Monaten in aller Munde ist: das Homeoffice.

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Der 5-Punkte Plan des Umweltministeriums gegen Plastikmüll


06.12.18 | von


Bundesumweltministerin Svenja Schulze stellt den 5-Punkte-Plan für weniger Plastik vor. Foto: Sascha Hilgers, BMU

Jede Reise beginnt mit den ersten fünf Schritten
Keinen Werkstoff, der so spezialisiert einsetzbar und gleichzeitig so kostengünstig zu produzieren ist, hat die Menschheit je genutzt: Plastik. Kunststoffe gelten als das Material des Wiederaufbaus nach dem Zweiten Weltkrieg und hielten, spätestens ab den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts, Einzug in alle Bereiche des Lebens. Sie machten Luxusgegenstände in Küche und Wohnzimmer erschwinglich, erweiterten durch Zeitersparnis die Freizeitmöglichkeiten und vermochten diese Zeit durch Erwerb und Gebrauch von Konsumgütern aus Plastik zu füllen: Der Mixer beim Kuchenbacken, Funktionskleidung beim Camping, Hula-Hoop auf dem Schulhof oder die unzerbrechliche PET-Flasche sind Bestandteil unserer Konsumkultur.Weiterlesen »

#Rezension: Vier für´s Klima


06.08.18 | von


Klimaschutz gemeinsam gestalten, etwa mit der Familie. (Foto: Andreas Klinke Johannsen_Flickr)

Das im März bei Droemer erschienene Buch „Vier fürs Klima“ von ZEIT-Redakteurin Petra Pinzler und ihrem Mann Günther Wessel (303 Seiten) fragt, wie Klimaschutz im Alltag gelingen kann. Das familiäre Klimaschutzprogramm der Familie Pinzler/Wessel begann, als die damals zwölfjährige Tochter mit der Aufgabe nach Hause kam, per WWF-Umweltrechner den häuslichen CO2-Verbrauch zu ermitteln. Zwar lag die Familie mit 10,5 t pro Person (wenn auch nur knapp) unter dem bundesdeutschen Jahresdurchschnitt (11 t), war aber von diesem Ergebnis einigermaßen geschockt: Sie hatte angenommen, dass ihre familiäre Ökobilanz weitaus besser ausfallen würde, denn umweltbewusstes Verhalten – z.B. Biolebensmittel, Mülltrennung, Plastikvermeidung, ÖPNV etc. – gehörte schon zu ihrem Alltag.Weiterlesen »

Vom Klärwerk zum Kraftwerk


15.03.18 | von


Faultürme der Kläranlage in Bottrop bei Nacht (Bild: Guy Gorek, Flickr)

Das Projekt in Bottrop könnte Vorbild für 10.000 Anlagen in Deutschland sein! Eine erfreuliche Erfolgsnachricht von der Kläranlage Bottrop: Unserer Emschergenossenschaft ist es Anfang 2018 erstmals gelungen, das Klärwerk in der Welheimer Mark ausschließlich mit Eigenenergie zu betreiben. Dabei wurde zum ersten Mal auch die 10-Megawatt-Marke geknackt. Das 2011 vorgestellte Projekt „Hybridkraftwerk Emscher“ ist somit bereits Realität – noch bevor überhaupt alle Komponenten installiert sind. Aktuell ist das Klärwerk sogar in der Lage, große Mengen Energie über Bedarf zu produzieren…Weiterlesen »