Klimadiskurs-NRW

Die Schlüsselrolle der Finanzierer beim Klimaschutz: Ohne die Banken geht es nicht


Für Markus Landgraf ist klar: Der Weg zur Klimaneutralität ist ein Kraftakt, der nur im Zusammenspiel aller Akteure zu schaffen ist.

von Markus Landgraf

Mit dem Klimaschutzgesetz hat die Politik im letzten Jahr die Weichen für die Dekarbonisierung von Wirtschaft und Verkehr gestellt. Das gesetzte Ziel, die Treibhausgasemissionen bis 2030 um mindestens 55 Prozent zu senken, ist ein Kraftakt, der nur im Zusammenspiel aller Akteure und mit den richtigen politischen Rahmenbedingungen zu schaffen ist.

Klimaschutz braucht die Unterstützung von privaten Geldgebern

Um die ambitionierten Klimaschutzziele zu erreichen, sind laut einer Berechnung der EU-Kommission Investitionen in Höhe von 260 Milliarden Euro pro Jahr notwendig. Weder der Staat, noch die Realwirtschaft kann diese Investitionssumme alleine stemmen. Es bedarf der Mobilisierung von privater Klimafinanzierung, damit die Entwicklung zur Klimaneutralität gelingen kann. Aus ökonomischer und ethischer Perspektive ist die Bankenbranche gefragt, sich an Lösungen zu beteiligen und die nachhaltige Transformation der Wirtschaft voranzutreiben.

Als DKB sehen wir uns auf einem guten Weg: Wir sind bereits heute die nachhaltigste Bank unter den Top20 Banken in Deutschland. Wie in unserem kürzlich veröffentlichten Nachhaltigkeitsbericht nachzulesen ist, tragen knapp 80 Prozent unserer Finanzierungen, über 54 Mrd. EUR, dazu bei, die Entwicklungsziele der Vereinten Nationen (SDGs) zu erreichen. Einer unserer Schwerpunkte ist dabei ganz klar der Klimaschutz: Das SDG 7 „Bezahlbare und saubere Energie“ unterstützen wir mit fast 10 Mrd. EUR. Damit sind wir der größte Finanzierer der Energiewende in Deutschland.

Finanzierer können zu Nachhaltigkeits-Katalysatoren werden

Unser Portfolio zeigt: Banken können mit ihren Finanzierungen eine enorme Hebelwirkung erzielen, wenn es darum geht, die Wirtschaft im Sinne der Nachhaltigkeit zu transformieren. Grundvoraussetzung dafür ist, dass die Politik die richtigen Rahmenbedingungen schafft und für eine gut gefüllte Projektpipeline sorgt. Das wohl bekannteste Beispiel ist die Energiewende, die in den letzten Jahren bedrohlich ins Stocken geraten ist. Möchte die Bundesregierung das Ausbauziel für Erneuerbare Energien erreichen, müssen bestehende Hemmnisse in der Projektpipeline, etwa langwierige Genehmigungs- und Planungsverfahren, dringend politisch adressiert werden.

Keine Regulierungswelle: Ein Regulierungs-Tsunami

Neben der politisch intendierten Transformationswirkung von nachhaltigen Finanzierungen steht das Thema Finanzmarktstabilität im Zentrum der Aufmerksamkeit von Politik und Regulatorik: Besonders im letzten Jahr haben wir einen enormen Anstieg der regulatorischen Anforderungen erlebt, die den Umgang der Banken mit Nachhaltigkeitsrisiken in Zukunft tiefgreifend verändern werden – wir können, ohne zu übertreiben, von einem regelrechten Regulierungs-Tsunami sprechen. Zukünftig werden wir Banken Klima- und Umweltrisiken in allen relevanten Phasen der Kreditvergabe berücksichtigen und in unser Risikomanagement einbinden müssen.

Um Ihnen ein Beispiel für den Umfang der Regulierung zu geben: Allein die technischen Evaluierungskriterien der EU Taxonomie, dem EU-weiten Klassifikationssystem für nachhaltige Investitionen, belaufen sich schon jetzt auf fast 600 Seiten. Mit der geplanten Erweiterung der Taxonomie um zusätzliche ökologische sowie um soziale und Governance-Kriterien sprechen wir voraussichtlich von 2.000 bis 3.000 Seiten an Nachhaltigkeitskriterien, deren Einhaltung durch die Kunden wir Finanzierer bewerten müssen.

Was bedeutet das für unsere Kunden? Mit den neuen regulatorischen Anforderungen an uns Banken werden auch die Anforderungen an unsere Kunden deutlich steigen. Wir sind überzeugt, dass die Beziehung zwischen Finanzierer und Kunde zukünftig deutlich komplexer und vielschichtiger wird.

Die Klimaschutzfrage ist eine Datenfrage

Wir sagen ganz offen, dass wir die politischen und regulatorischen Nachhaltigkeitsvorgaben zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht vollumfänglich erfüllen könnten – uns fehlen schlichtweg die Daten. Wir sind darauf angewiesen, dass sich unsere Kunden intensiv mit ihrer Nachhaltigkeitsbilanz beschäftigen und eine umfangreiche Nachhaltigkeitsberichterstattung etablieren. Nur dann werden wir Banken beurteilen können, ob eine Aktivität ökologisch nachhaltig ist und das Finanzierungsrisiko steuern können.

Wir müssen es noch einmal sagen: Der Weg zur Klimaneutralität ist ein Kraftakt, der nur im Zusammenspiel aller Akteure zu schaffen ist.