Klimadiskurs-NRW

Aufgaben für die Ewigkeit


am 24.02.16 von Bernd Tönjes gepostet
In einigen Bergsenkungsgebieten entstanden ökologisch wertvolle Biotope, die neuen Lebensraum für Pflanzen und Tiere bieten © Dietmar Klingenburg

In einigen Bergsenkungsgebieten entstanden ökologisch wertvolle Biotope, die neuen Lebensraum für Pflanzen und Tiere bieten © Dietmar Klingenburg

Über Jahrhunderte hinweg prägte der Bergbau die Steinkohlenreviere. Durch ihn entwickelten sich die Regionen zur Industriegesellschaft, wuchsen zu bedeutsamen Wirtschaftszentren heran und formten sich zu Ballungsräumen. Ende 2018 stellen die letzten Bergwerke ihre Kohlenförderung ein. Das bedeutet jedoch nicht, dass die RAG ihre Arbeit einstellt. Auch in Zukunft steht das Unternehmen im Wort, die Region lebenswert zu gestalten.

Zu den Ewigkeitsaufgaben gehören die Grubenwasserhaltung, der Betrieb von Polderanlagen und das Grundwassermanagement. Oberste Priorität besitzt dabei für die RAG der Trinkwasser- und der Umweltschutz. Gleichzeitig entwickelt das Unternehmen ehemalige Bergbauflächen weiter, so dass sie zukünftig Raum für Wohn- und Gewerbegebiete oder für Photovoltaik- und Windkraftanlagen bieten.

Energien für die Zukunft

Mit derzeit 62 Projekten im Bereich Erneuerbare Energien unterstützt die RAG die Klimaschutzziele von EU, Bund und Ländern. Die Palette reicht von Photovoltaik bis hin zum Engagement für InnovationCity Ruhr. Denn vorhandene Flächen, Schächte, Grubenbaue und technische Anlagen des Bergbaus bieten dafür optimale Rahmenbedingungen. So könnten beispielsweise untertägige Pumpspeicherkraftwerke in Zukunft einen Beitrag zur Energiewende leisten. Je nach technologischer Umsetzung erstreckt sich das Leistungspotenzial von 20 bis zu 360 MW und mehr. Indes tragen RAG und ihre Konzerntochter RAG Montan Immobilien mit dem Bau von Windenergieanlagen auf ehemaligen Halden zur umweltfreundlichen Energieversorgung bei: So ging auf der Halde Brinkfortsheide in Marl bereits im Jahr 2014 ein Windpark an den Start. Für 2016 plant das Unternehmen weitere Windkraftprojekte in Dinslaken, Moers und Lünen. Insgesamt lassen sich dann jährlich über 50.000 Tonnen CO2 einsparen.

Erfolgreicher Strukturwandel
Bei der Beplanung ehemaliger Bergbauflächen stehen jedoch noch weitere Aspekte im Vordergrund. Je nach Nutzungsart muss ein Quartier mit modernen Ansprüchen, also mit Ökonomie, Ökologie und Sozialem im Einklang stehen. Das Stadtbild, die soziale Infrastruktur, die Energieversorgung – all das gilt es zu berücksichtigen. Die Gesamtfläche des Portfolios an RAG-Flächen beträgt rund 10.500 Hektar. Seit 1977 wurden davon bereits 9.000 entwickelt – vom Stadtquartier über Kreativ- oder Technologieparks und Logistikzentren bis hin zu naturnahen Freizeitarealen. Das ehemalige Bergwerk Lohberg zeigt ein idealtypisches Beispiel. Denn mit der benachbarten Gartenstadt entwickelt das Unternehmen gemeinsam mit der Stadt den derzeit größten CO2-neutralen Standort Deutschlands. Sechs regenerative Energiequellen zur Erzeugung von Strom und Wärme werden dort klimagerecht und energiedeckend genutzt. Motor der Entwicklung ist das eigentliche Kreativ.Quartier. In der Mitte des Standorts bietet es Raum für kreative unternehmerische Tätigkeiten in denkmalgeschützten Gebäuden oder Neubauten. Rund 20 Unternehmen haben sich bereits angesiedelt.

Wasser in Balance
Nachhaltige Revitalisierung bildet die Voraussetzung für eine lebens- und liebenswerte Region. Der Steinkohlenbergbau hat die Landschaft verändert. In einigen Gebieten sind mittlerweile neue ökologisch wertvolle Biotope entstanden, die in dicht besiedelten Gegenden wie dem Ruhrgebiet ansonsten selten geworden sind. Sie bieten Pflanzen und Tieren neue Lebensräume und werden in Kooperation mit Behörden und Na-turschutzverbänden gezielt erhalten. Die naturnahe Umgestaltung von Flüssen und Bächen spielt auch beim Grubenwasserkonzept der RAG eine große Rolle. Langfristig sieht es eine Reduzierung der Wasserhaltungsstandorte, die Umrüstung auf Brunnenwasserhaltung und eine Anhebung des Pumpniveaus vor. Zurzeit gibt es im Ruhrgebiet noch 13 Wasserhaltungen, künftig sollen es nur noch sechs sein. Dadurch verbessern sich nicht nur die Qualität des Wassers, sondern auch die Lebensbedingungen von Pflanzen und Tieren an und im Gewässer. Und jede Menge Energie lässt sich so auch noch sparen. Denn die Pumpen, die das Grubenwasser heute aus bis zu 1.500 Metern Tiefe heben, verbrauchen deutlich mehr Strom als die modernen Brunnenpumpen. Nicht zuletzt ist das aktiver Klimaschutz: Weniger Stromverbrauch bedeutet auch weniger CO₂-Emissionen.

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