Klimadiskurs-NRW

Klima-, Umwelt- und Gesundheitsschutz dürfen nicht gefrackt werden!


am 27.05.15 von Klaus Breyer gepostet
Bald in Deutschland? Mit Fracking sollen bisher nicht förderbare Gasvorkommen erschlossen werden © Gelsenwasser

Bald in Deutschland? Mit Fracking sollen bisher nicht förderbare Gasvorkommen erschlossen werden © Gelsenwasser

Sturm mit enormen Schäden in Düsseldorf, Starkregen und Überflutungen in Münster – auch vor der eigenen Haustür spüren wir: der Klimawandel ist kein Phänomen, das sich irgendwann in ferner Zukunft ereignen wird. Wir gehören zur ersten Generation, die die Folgen der Unterlassungen in der Vergangenheit in voller Härte erleben wird. Richtig ist aber auch: Wir gehören zur letzten Generation, die durch entschiedenes Handeln noch entscheidende Weichen stellen kann, so dass das Schlimmste verhindert und das zwei Grad-Ziel erreicht werden kann.

Verlängerung des fossilen Zeitalters
Angesichts der Größe der Verantwortung, vor die wir gestellt sind, und der Möglichkeiten eines geordneten Transformationsprozesses hin zu erneuerbaren Energien, erschreckt mich, wie sehr die fossile Vergangenheit immer noch die politischen Zukunftsbilder prägt. Dabei füllt das gesicherte Wissen über das, was zu tun ist, Bibliotheken: Die Botschaft ist eindeutig: An der Dekarbonisierung unserer Wirtschaftsweise bis zur Mitte des Jahrhunderts führt kein Weg vorbei.

Obwohl bekannt ist, dass für Klimaschutz ein Großteil der weltweit verfügbaren fossilen Energieträger in ihren Lagerstätten verbleiben muss, wird kaum eine Gelegenheit ausgelassen, das fossile Zeitalter zu verlängern. In der „vom Eise befreiten“ Arktis werden riesige neue Ölfelder angezapft. Aber auch die norddeutsche Tiefebene soll – geht es nach den Interessen großer Energiekonzerne – zu “Neu-Texas“ werden.

Mit Hilfe des für Mensch und Umwelt risikoreichen Hydraulic Fracturing (Fracking) sollen

Die USA machen es vor. Und wie verhält sich das Energiewendeland Deutschland? Es setzt nicht konsequent auf Erneuerbare Energien, Energieeffizienz und Energiesparen, sondern zieht mit – wenn auch ein wenig verklausuliert.

Gesetzespaket ohne ausreichend restriktive Regelung
Mit dem aktuellen Gesetzentwurf der Bundesregierung ist die Tür für das Fracking in Deutschland so weit offen wie nie zuvor. Das Komplettverbot ist endgültig vom Tisch.
In ihrem Gesetzesvorhaben erlaubt die Bundesregierung unterhalb von 3000 m grundsätzlich zu fracken. Das betrifft ca. zwei Drittel aller Schiefergasvorkommen in Deutschland! Lediglich für oberflächennahe Vorkommen ist eine Befürwortung durch eine Expertenkommission erforderlich, die jedoch eher von Fracking-Befürwortern besetzt sein soll.

Das vorliegende Gesetzespaket erlaubt keine ausreichend restriktive Regelung der Fracking-Technologie. Das Vorhaben widerspricht der in zahlreichen Gutachten und Stellungnahmen geäußerten Forderung, Fracking umfassend vom Vorsorgegedanken her zu regeln. Damit nimmt die Regierung in Kauf, dass es zu Umwelt- und Gesundheitsschäden kommen kann und geschützte, sensible Gebiete gefährdet werden. Enormer Flächen- und Wasserverbrauch, Erdbebengefahr, Austritt klima- und gesundheitsschädlicher Gase sowie Boden- und Wasserverschmutzung sind reale Gefahren, die keiner ausschließen kann, und die bereits vielfach in den viel dünner besiedelten Vereinigten Staaten zu beobachten sind.

Konsequente Umsetzung der Energiewende statt Fracking
Das Fracking-Regelungspaket konterkariert zudem die Bemühungen für den Klimaschutz und die Dekarbonisierung unseres Wirtschaftssystems. Es  ist gerade im Vorfeld der entscheidenden UN-Klimakonferenz im Dezember in Paris das falsche Signal.

Im Koalitionsvertrag haben sich die drei Parteien ausdrücklich darauf verständigt, „den Wandel von einer überwiegend auf fossilen Rohstoffen basierenden Wirtschaft zu einer auf erneuerbaren Ressourcen beruhenden, rohstoffeffizienten Wirtschaft voranzutreiben und damit die Energiewende zu unterstützen“ (Zitat S. 34). Unter den gegebenen Bedingungen und Erkenntnissen sollte daher jede Form des Frackings von unkonventionellem Erdgas ausgeschlossen werden und ein Gesetzesvorhaben eingeleitet werden, mit dem Ziel diese Förderung zu verbieten.

Auch muss die Möglichkeit ausgeschlossen werden, über die geplanten Freihandelsabkommen (TTIP, CETA) Fracking etwa durch Schadensersatzforderungen vor Schiedsgerichtshöfen zu erzwingen. Statt weitere fossile Energieträger zu erschließen – zudem mit einer risikoreichen Technik, mit gesundheits- und umweltschädlichen Methoden sowie hohen volkswirtschaftlichen Folgekosten – ist eine entschlossene und konsequente Umsetzung der Energiewende durch die Bundesregierung erforderlich.

Energie einsparen, Effizienz steigern und erneuerbare Energien naturverträglich ausbauen – das ist das Gebot der Stunde.
Klima-, Umwelt- und Gesundheitsschutz dürfen nicht gefrackt werden!

Weitere Informationen

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.