Klimadiskurs-NRW

Großes bewegen mit dem Fahrrad – innerstädtische Mobilität braucht bessere Infrastruktur


am 05.08.15 von Nathalie Golla gepostet
Kommunaler Klimaschutz: Transporträder können etliche Autofahrten überflüssig machen. Die Verbraucherzentrale NRW bei einer Aktion in Bielefeld. © BISELA Bielefeld

Kommunaler Klimaschutz: Transporträder können etliche Autofahrten überflüssig machen. Die Verbraucherzentrale NRW bei einer Aktion in Bielefeld. © BISELA Bielefeld

Ob in der Freizeit, beim Einkaufen oder bei der Fahrt zur Arbeit – das Fahrrad ist das klimaschonende Verkehrsmittel schlechthin. Weil es auch andere Vorzüge verbindet – es ist günstig, flexibel, schnell und ein Beitrag für die Gesundheit – ist eine wachsende Zahl von Menschen bereit, das Fahrrad als Verkehrs- und Transportmittel im Alltag zu nutzen. Zwar sind Lastenräder, Radanhänger oder Transporttaschen an Fahrrädern keine absoluten Exoten mehr, aber den flächendeckenden Durchbruch als Transportmittel für die innerstädtische Alltagsmobilität hat das Rad in NRW noch nicht geschafft.

Die Umweltberatung der Verbraucherzentrale NRW hat zu den Deutschen Aktionstagen Nachhaltigkeit im Juni in 18 Städten Verbraucherinnen und Verbraucher zum Transportieren mit dem Fahrrad informiert. Hierzu wurden an Informationsständen Lastenräder, Fahrradanhänger und andere Transportsysteme gezeigt und dazu beraten. Bei einer  Umfrage der Umweltberatung konnten Bürgerinnen und Bürger angeben, welche Bedingungen sie sich für eine stärkere Nutzung des Fahrrads zum Einkaufen und Transportieren wünschen – oder  woran es beim Transportieren mit dem Rad hapert.

Es fehlt an sicheren Radwegen
Bürgerinnen und Bürger erwarten mehr und bessere Radwege, um sich beim Transportieren mit dem Fahrrad sicher zu fühlen. 62 Prozent der über 700 Befragten sagten, dass das Angebot an Radwegen in ihrer Stadt erweitert werden müsse, damit das Fahrrad im Alltag öfter zum Einsatz kommen kann. Gerade in Großstädten mit mehr als 100.000 Einwohnern ist der Bedarf groß. Hier gaben 72 Prozent der Befragten an, dass sie sich mehr Radwege wünschen. Auch die schlechte Qualität der existierenden Radwege ist für etliche Befragte ein Hinderungsgrund für eine Einkaufsfahrt mit dem Rad: Über 60 Prozent wünschen sich für den Einsatz von beladenen Fahrrädern einen besseren Zustand der Radwege und Radverkehrsstraßen. Gut jeder zweite Befragte vermisst zudem sichere Abstellmöglichkeiten für sein Rad.

Transporträder könnten etliche Autofahrten überflüssig machen
Lastenräder sind bei Liebhabern zwar ein großes Thema, doch so verbreitet wie in Kopenhagen oder Amsterdam sind sie in NRW noch lange nicht. Das Interesse, ein Lastenrad auszuleihen, ist allerdings bei fast jedem fünften der Befragten da. Nur 10 Prozent schließen kategorisch aus, Lastentransporte auf zwei oder drei Rädern zu erledigen. Damit ist ein Großteil der Befragten offenbar bereit, sich mit der Alternative Lastenrad zu befassen oder sich selber eines anzuschaffen. Auf das (Zweit-)Auto verzichten wollen die Verbraucher allerdings auch bei guten Transportbedingungen mit dem Rad bisher nur selten. 12 Prozent der Befragten sagten, sie könnten sich vorstellen, ein Auto durch ein Rad zu ersetzen. In den Großstädten sind es immerhin schon 17 Prozent, die eine solche private Verkehrswende erwägen. Sollten die oben benannten Hürden für den Radtransport aus dem Weg geschafft sein, können sich fast drei Viertel (73%) der Befragten vorstellen, auch den Wochenendeinkauf mit dem Rad statt dem Auto zu erledigen.

Vorradler-Kommunen sind gefragt
Das Potenzial ist also gegeben, nicht nur die Menge der sprit- und abgasintensiven – und somit besonders klimaschädlichen – Pkw-Kurzstreckenfahrten zu verringern, sondern auch die Anzahl der Pkw, die parkend die Städte verstopfen. Die Kommunen können bei kluger Planung gleich auch die größeren Transporträder bei der Anlage von Radwegen oder Abstellplätzen bedenken und so dafür sorgen, dass immer mehr Bürgerinnen und Bürger umsatteln. Damit die Vorzüge des Transportierens mit dem Fahrrad bekannter werden, ruft die Umweltberatung der Verbraucherzentrale NRW Kommunen, kommunale Unternehmen und Initiativen dazu auf, Ausleihmöglichkeiten für Lastenräder einzurichten. Den Anfang hat  Köln gemacht, wo seit 2013 das Lastenrad „Kasimir“ angeboten wird. Die Kölner Initiative hat einen Überblick über das Lastenrad-Angebot in Deutschland erstellt (www.dein-lastenrad.de). Dortmund macht mit RUDOLF (dem RUhrgebiet und DOrtmund sein LastenFahrrad) (www.dein-rudolf.de) Erfahrungen mit dem Verleih eines Lastenrades. Als Beitrag zum des kommunalen Klimaschutz ist ein Leih-Lastenrad eine gute Investition für eine zukunftsfähige Nahmobilität. Auch für Unternehmen ist das Lastenrad interessant, wie ein Projekt in Herne aktuell testet (www.lastenfahrrad-herne.de).

Für Verbraucher/-innen sollten Lastenräder und Fahrradanhänger unkompliziert in Wohnungsnähe ausleihbar sein, um die persönliche Verkehrswende zu erleichtern.
Mehr zur Aktion der Verbraucherzentrale finden Sie auch unter: www.vz-nrw.de/fahrrad

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