Klimadiskurs-NRW

Klimaschutz im Luftverkehr – ein Faktencheck


am 17.07.19 von Anja van Melis gepostet

Solarmodule – Frachthalle Köln Bonn Airport

„Fliegen ist sexy!“ sagen die einen, „Schämt Euch!“, sagen andere. Luftverkehr verbindet Menschen und Märkte weltweit, Flugzeuge erzeugen aber auch Treibhausgase, Lärm und Luftschadstoffe. Ein unauflösbarer Konflikt? Mitnichten, denn die Branche – also Airlines, Flughäfen, Flugsicherung und Luftfahrtindustrie – ist sich ihrer Verantwortung bewusst und hat daraus bereits vor zehn Jahren weltweit ihre Klimaschutzstrategie abgeleitet.

Luftverkehr ist gegenwärtig für 2,8 Prozent der globalen CO2-Emissionen verantwortlich; die so häufig kritisierten innerdeutschen Flüge haben an den deutschen CO2-Emissionen nur einen Anteil von 0,3 Prozent. Industrieunternehmen, private Haushalte und andere Verkehrsträger verursachen den Löwenanteil. Für einen nachhaltigen Luftverkehr sieht die Branche drei maßgebliche Hebel: Investitionen in sparsame Flugzeuge zur Reduzierung der Emissionen, alternative Kraftstoffe und Kompensation. Nationale Steuern wie eine CO2– oder Kerosinsteuer lehnen die Fluggesellschaften ab, weil sie nur zu einer Verschiebung der Verkehre ins europäische Ausland führen würden und CO2-Emissionen damit ebenfalls nur verschoben, nicht aber reduziert würden.

Was tut der Luftverkehr genau? Seit Anfang der 1990er Jahre haben die Fluggesellschaften durch effizienteres Fluggerät rund 43 Prozent ihres Kerosinverbrauchs pro Passagier eingespart: So verbrauchten die Airlines durch den Einsatz neuer Flugzeugtypen mit modernen Triebwerken im Jahr 2017 durchschnittlich nur noch 3,58 Liter Kerosin pro Passagier auf 100 Kilometern.

Für das langfristige Ziel eines CO2-neutralen Luftverkehrs müssen aber nachhaltig erzeugte, alternative Kraftstoffe hergestellt werden, die den fossilen Brennstoff Kerosin ersetzen. Es gibt bereits das Power-to-Liquid-Verfahren, bei dem Treibstoff aus erneuerbaren Energien gewonnen wird, allerdings noch nicht in der ausreichenden Menge und bis zu fünfmal teurer als herkömmliches Kerosin. Da die Treibstoffkosten bis zu einem Drittel der Gesamtkosten der Airlines ausmachen, muss hier die Forschung und Entwicklung vorangetrieben werden.

Solange also noch kein emissionsfreier Flugverkehr möglich ist, müssen Emissionen an anderer Stelle kompensiert werden. Der Luftverkehr in Europa ist bereits seit 2012 Teil des europäischen Emissionshandels ETS. Die Airlines müssen Zertifikate für ihre wachstumsbedingten CO2-Emissionen erwerben, der Preis dafür hat sich allein in den letzten zwei Jahren verdreifacht. Mit dem ETS-Handel wächst der Luftverkehr in der Europäischen Union seit sieben Jahren CO2-neutral.

Ab 2020 wird das auch für den internationalen Luftverkehr gelten, durch die Entscheidung der Vereinten Nationen für das System CORSIA. Dabei zahlen Airlines weltweit künftig eine CO2-Abgabe, die für Klimaschutzprojekte vor allem in Entwicklungsländern verwendet wird. Der Luftverkehr ist damit der einzige Industriesektor mit einem eigenen globalen Klimaschutzinstrument.

Auch die deutschen Flughäfen leisten ihren Beitrag zum Klimaschutz. So redu­zie­ren die Flug­hä­fen an ihren Standorten die Emis­sio­nen etwa durch den verstärkten Einsatz erneuerbarer Energien in der zen­tra­len Ener­gie­ver­sor­gung, die Elektrifizierung der Vorfeldfahrzeuge und die Opti­mie­rung der Heizungs- und Kli­ma­tech­nik. Erst im vergangenen Herbst haben sich die deutschen Verkehrsflughäfen auf eine CO2-Reduzierung von 50 Prozent bis zum Jahre 2030 festgelegt. Und ganz aktuell am 12. Juli 2019 auf ihrer Sommertagung noch mal nachgelegt: Bis 2050 wollen die deutschen Flughäfen kein CO2 mehr ausstoßen.

Der Köln Bonn Airport geht mit gutem Beispiel voran: Als erster deutscher Flughafen nutzte er die Bauer-System-Technologie zur energieeffizienten Klimatisierung seiner Gebäude. Dank dieser innovativen Raumbelüftungstechnologie, die beispielsweise auch in der Münchner Staatsbibliothek und in der Oper in Sydney verwendet wird, sank der Verbrauch von Wärme, Kälte und Strom erheblich um über 30 Prozent. 2.000 Tonnen CO2 werden so im Vergleich zur bisher verwendeten konventionellen Technik im Terminal 2 und dem Cargo Center jedes Jahr gespart.

Große Solaranlagen auf den Dächern der Frachthallen, eine wachsende Elektroflotte auf den Vorfeldern, ein Blockheizkraftwerk und LED-Beleuchtung in Gebäuden und an der Start- und Landebahn komplettieren die Anstrengungen des Flughafens, Emissionen zu vermeiden oder zu reduzieren. Bereits seit zehn Jahren stehen die CO2-Kompensationsrechner von myclimate in den Terminals des Flughafens. Seitdem kompensiert auch die Flughafengesellschaft die Dienstreisen ihrer Mitarbeiter – mehr als 40.000 Euro wurden dabei bereits für Klimaschutzprojekte zur Verfügung gestellt.

In Zeiten des Klimawandels wächst die Notwendigkeit für Klimaschutz genauso wie das Bewusstsein für den eigenen ökologischen Fußabdruck – bei jedem Einzelnen genauso wie in der Industrie. Der Luftverkehr hat zahlreiche Strategien und konkrete Maßnahmen schon heute ergriffen, um das Bedürfnis nach Mobilität mit einem aktiven Klimaschutz zu verbinden. Das Vermeiden, Reduzieren und Kompensieren von CO2-Emissionen sind die nächsten Schritte auf dem Weg zum langfristigen Ziel des CO2-neutralen Fliegens.

Links: www.klimaschutz-portal.aero; www.adv.aero, www.bdl.aero

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