Klimadiskurs-NRW

Fracking: heimische Rohstoffe nutzen


am 10.06.15 von Dennis Radtke gepostet

Im Zuge knapper werdender Ressourcen für die Energiegewinnung rückt das Thema Fracking immer mehr in den Fokus und wird kontrovers debattiert. Die Haltung der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) ist eindeutig: Sie will, dass Chancen ebenso wie Risiken ohne Vorbehalte diskutiert werden und nicht von vorneherein eine Technologie ausgeschlossen wird, die einem rohstoffarmen Land wie Deutschland neue Perspektiven eröffnen könnte.

Grundsätzlich muss aus Sicht der IG BCE die Förderung heimischer Rohstoffe ökonomisch sinnvoll, sozial akzeptiert und ökologisch verträglich sein. Hierbei gilt, die Sorgen der Menschen ernst zu nehmen, die Technologie vor Ort zu erläutern und der Diskussion nicht aus dem Weg zu gehen.

Wettbewerbsfähigkeit energieintensiver Unternehmen
Dynamik bekam die Debatte um Fracking durch den massiven Ausbau dieser Technologie in den USA. Die daraus resultierenden sinkenden Energiepreise in den USA haben die globalen Wettbewerbsbedingungen verändert. Der US-Boom vom billigen Erdgas dank Fracking hat auch die EU hellhörig gemacht. Um die EU wettbewerbsfähig zu halten, fordert die EU-Kommission  „ein ausgewogenes, unionsweites Konzept für die Nutzung nichtkonventioneller Kohlenwasserstoffe“.

Während Länder wie Polen, Ungarn, Rumänien, Spanien und Großbritannien auf Fracking setzen, haben Frankreich und Bulgarien ein Verbot der Schiefergasförderung erlassen und andere EU-Länder ein Moratorium verhängt. Entsprechend verunsichert sind Europas energieintensive Unternehmen darüber, ob sie wettbewerbsfähig bleiben können.

Pragmatische Lösungen sind gefragt
Fakt ist: Europa ist aufgrund seiner Bevölkerungsdichte und des gesteigerten Bewusstseins für ökologische Risiken beim Thema Fracking deutlich zurückhaltender als die USA. „Die USA nutzen das Fracking in einer Radikalität, die bei uns nicht denkbar wäre“, betont auch unser Vorsitzender Michael Vassiliadis immer wieder. Aus Sicht der IG BCE sollten folgende Rahmenbedingungen festgelegt werden, die so beispielsweise bereits von der NRW Landesregierung geteilt werden:

  1. Eine Umweltverträglichkeitsprüfung muss grundsätzlich, unabhängig
    von der Fördermenge, erfolgen.
  2. Der Schutz des Trinkwassers muss wie bisher absolute Priorität haben und
    in einem transparenten Verfahren der Öffentlichkeit dargelegt werden.
  3. Für den Einsatz chemischer Mittel muss ein Minimierungsgebot (inkl.
    Abbaubarkeit) gelten.

Für die IG BCE ist zentral, dass wir im Rahmen der Energiewende zu pragmatischen Lösungen kommen. Das heißt, dass Ängste und Sorgen auf der einen Seite ernst genommen werden, dass aber Energie auch künftig verlässlich und bezahlbar bleibt. Denn Energiekosten sind ein wesentlicher Faktor der Wettbewerbsfähigkeit und deren  Gefährdung bedroht die Arbeitsplätze unserer Kolleginnen und Kollegen.

Wer im Rahmen der Energiewende verstärkt auf Gaskraft setzen will, der muss sich die Frage stellen, ob hierbei ein Verzicht auf gut 2 Billionen Kubikmeter förderbares Schiefergas von vornherein ausgeschlossen werden soll, ohne alle technischen Möglichkeiten bis zum Ende durchdacht zu haben.

Eine Antwort zu “Fracking: heimische Rohstoffe nutzen”

  1. Dirk Dirk sagt:

    Auch der BUND setzt auf hocheffiziente und flexible GuD-Kraftwerke als Brückentechnologie hin zu einer Vollversorgung mit Erneuerbaren Energien. Aber: Es gilt nicht, zusätzliche 2 Billionen Kubikmeter Gas zu verfeuern, sondern endlich das Energiesparen in den Vordergrund zu stellen. Würde endlich der Altbestand an Gebäuden energetisch durchsaniert, könnte ein Großteil des in Deutschland genutzten Erdgases schlichtweg weggespart werden. Dieses käme auch einem Konjunkturprogramm für die heimische Industrie und Handwerkerschaft gleich.

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