Klimadiskurs-NRW

Das Klima schützen – nachhaltig produzieren – mit „Guter Arbeit“ in NRW


am 09.02.16 von Wolfgang Nettelstroth gepostet
Strategiewende und Arbeitsplatzsicherung sind vereinbar, meint die IG Metall © Fotolia

Strategiewende und Arbeitsplatzsicherung sind vereinbar, meint die IG Metall © Fotolia

Energieeinsparstrategien sind machbar! Das sagt die IG Metall in NRW und mahnt gleichzeitig, dass die Energiewende kein Jobkiller sein dürfe.

Ein Kurswechsel hin zu einem ökologischen Umbau der Industrie ist für die Gewerkschaft seit langem ein großes Thema – und das nicht erst seit Fukushima. Die Debatte erhielt zusätzliche Schubkraft durch die Auswirkungen der internationalen Wirtschaftskrise 2008/09. Die Verletzbar-keit des aktuellen Wirtschaftsmodells wurde uns überdeutlich vor Augen geführt hat. Rückblickend haben unsere Industriebeschäftigten in NRW diese Periode einigermaßen glimpflich überstanden. Das abgestimmte Krisenmanagement durch Politik, Wirtschaft und Gewerkschaften mithilfe von Kurzarbeit, Tarifverträgen u.a. Instrumenten war erfolgreich.

Die IG Metall hat vor diesem Hintergrund mit Betriebsräten und Mitgliedern noch konsequenter als zuvor Unternehmensstrategien auf ihre Nachhaltigkeit hinterfragt, ökonomisch, sozial wie auch ökologisch. Wie werten wir den Faktor Arbeit auf? Wie mindern wir Belastungen durch eine höhere Energie- und Ressourceneffizienz? Wie sind Standorte zukunftsfähiger zu entwickeln? Welche innovativen technologischen Lösungen, Personal- und Organisationskonzepte sowie Dienstleistungen stabilisieren unsere heimischen Wertschöpfungsketten – vom Stahl bis zum Anlagen-, Maschinen- und Fahrzeugbau – dauerhaft, auch durch Energieeffizienz?

Mitbestimmte Strategiewende
Energieeinsparstrategien in Unternehmen sind machbar – das zeigen viele Beispiele im Land: Im Werk 1 der Firma Harting in Espelkamp konnte der Energieeinsatz für die Beheizung von Gebäu-den durch Maßnahmen wie die Überarbeitung der Heizzentrale, die Verbesserung der Gebäudeisolierung und die Nutzung der Abwärme um ca. 35% seit 2001 gesenkt werden. Ein anderes Beispiel: bei der Phoenix Contact GmbH & Co. KG ist es gelungen, den Einsatz von Druckluft und damit den Energieeinsatz um 45% zu reduzieren. Programmierbare LED-Leuchten sparen in einer Montagehalle weitere 150.000 kWh ein.

Voraussetzung einer nachhaltigeren Wirtschaftsweise ist eine Strategiewende im Unternehmen.  Technologie-, Organisations- und Personalentwicklung sind in neuer Qualität – d.h. auch mitbestimmt – zu verknüpfen. Die Beschäftigten sind an der Entwicklung und Ausgestaltung dieser Prozesse zu beteiligen. Mitbestimmt werden die Lösungen tragfähiger, sowie den Menschen, der Umwelt und der Wirtschaft gerechter. Das heißt auch: Energiewende erfordert Investitionen in die Kompetenzentwicklung und Beteiligung.

Innovationen – sozial und ökologisch
Klimaschutz braucht bessere Innovationen für eine bessere Arbeits- und Umweltgestaltung. Um-fang und Tempo sind zu steigern. Technologien sind nicht für sich tragfähig und innovativ, sondern durch die Menschen, die diese zu ihrem Vorteil und zum Vorteil ihrer Umweltbedingungen einsetzen. Technologische Innovationen sind gestaltbar, in ihrer sozialen wie in ihrer ökologischen Dimension.

Das muss zum Gegenstand der Kompetenzentwicklung gemacht werden – betrieblich wie im Schul- und Hochschulbereich – als Schlüsselfaktor für den Erfolg der Energiewende. Es gilt die Menschen in ihrer betrieblichen und gesellschaftlichen Rolle – als Konsumenten wie Produzenten in diesem Sinne zu stärken. Das erfordert Kompetenz und Orientierung durch Beteiligung.

Jobkiller Energiewende?
Wir, die IG Metall, sind davon überzeugt, die Energiewende ist ein Jobmotor in NRW. Politik darf sich dazu aber nicht auf absolute Klima-Ziele reduzieren. Ob beim Stahl, im Fahrzeugbau oder in der Leuchtenindustrie, die Ziele und deren Umsetzbarkeiten im Umbruch unseren industriellen Strukturen sind so zu vereinbaren, dass die Menschen sie mitgestalten und mitgehen können – nicht aber zu deren Opfer werden. Energiewende darf kein Jobkiller sein.

Beispiel Stahlindustrie: Stahl ist als Grundwerkstoff ein unverzichtbares Glied in der Wertschöpfungskette unserer Volkswirtschaft, von dem wir uns in Deutschland und Europa nicht folgenlos trennen können. Käme es zu politikinduzierten Verlagerungen (carbon leakage), dann würde das weder dem Klima noch dem Standort und schon gar nicht den Beschäftigten nutzen. Stahl würde ja nicht aus der Wirtschaft verschwinden, er würde eben aus anderen Ländern importiert. Die integrierten Hüttenwerke in Deutschland arbeiten seit vielen Jahren an der Reduzierung von Energie und Ressourcen. Das belegen nicht zuletzt internationale Preise wie der „Energy Efficiency Award“ der Deutschen Energie-Agentur. Die deutschen Stahlwerke gehören zu den effizientesten der Welt. Es wäre deshalb fatal, wenn in Europa mit verteuerten Emissionsrechten künftige Investitionen in die Stahlerzeugung völlig unrentabel würden. Stattdessen würden die Gesamtbelastungen der Umwelt steigen – durch schlechtere Umweltstandards an anderen Standorten der Stahlerzeugung weltweit, wie auch durch verlängerte Lieferketten.

Standortsicherung
Damit soll die Industrie in NRW nicht aus ihrer ökologischen Verantwortung entlassen werden, im Gegenteil. Ein Ansatzpunkt kann die stärkere Förderung der Kreislaufwirtschaft sein. Den prozessbedingten, technologisch derzeit nicht minderbaren Emissionen der Stahlerzeugung steht die Kreislaufqualität dieses Werkstoffs gegenüber, mit nahezu vollständiger Wiederverwertungsquote.

Kommentare sind geschlossen.